Rauchverbot in den Friseursalons?
August 11, 2006
Gefunden unter Information
Bei dieser Auseinandersetzung rauchen nicht nur die Köpfe: Deutschland diskutiert die Frage, ob es angezeigt sei, sich dem EU-weiten Trend anzupassen und ein öffentliches Rauchverbot zu verordnen. Das würde nicht zuletzt auch im Friseursalon der letzten Kippe den Garaus machen.
Unbekannt sind uns die qualmfreien Zonen schließlich nicht mehr: Nichtraucher-Flüge sind schon lange an der Tagesordnung. Auch auf Bahnsteigen sind Glimmstengel inzwischen gänzlich verboten. Ganz zu schweigen von öffentlichen Gebäuden, in denen die Luft für Raucher immer dünner wird. Käme jemand beim Arzt oder bei der Fußpflege auf die Idee, sich eine Kippe anzustecken? Wie sieht es eigentlich mit dem Rauch im Salon aus, in dem ohnehin bereits Dünste aus Farbe, Spray und Dauerwelle vorherrschen? Wir haben Unternehmer gefragt: Rauchen im Salon – ja oder nein?
Kay Schneider, Mitinhaber Salon Roman Kroupa, Bremen
In unserem Salon herrscht ein Klima der Akzeptanz: Tendenziell dürfen Kunden rauchen. Allerdings haben wir unsere Kunden gut “erzogen”: Die meisten fragen vorher, ob sie rauchen dürfen. Jeder Friseur kann dann selbst entscheiden, ob ihn das stört oder nicht. Bei mir persönlich ist das der Fall. Deshalb bitte ich zum Beispiel in einer solchen Situation darum, erst nach dem Haarschnitt zu rauchen. Aber die Nachfrage hält sich ohnehin in Grenzen – und wenn, dann rauchen Kunden vielleicht mal eine Zigarette. Für manche gehört das zur Entspannung dazu wie der Kaffee und die Zeitung. Ich verstehe das. Allerdings haben wir auch sehr hohe Decken, 350 Quadtratmeter Fläche und eine super Klimaanlage. In einem kleinen Salon würde ich dazu tendieren, das Rauchen zu untersagen. Für unsere Mitarbeiter gilt ein Rauchverbot im Haus. Sie können während der geregelten Pausen rauchen. Aber unsere zwei Kosmetikerinnen sind zum Glück beide Nichtraucherinnen. Eine Raucherin käme für uns auch nicht mehr in Frage – dafür ist sie zu nah an der Kundin.
Iris Weber, Inhaberin Salon Edelmann, Waldstetten
Bei uns ist Rauchen im Salon bereits seit rund acht Jahren kein Thema mehr. Wir arbeiten sehr natürlich und gesundheitlich ausgerichtet. Das fängt bei den Materialien an, die wir im Salon verarbeiten und geht bis zu den Produkten, die wir verwenden. Da passt Rauchen einfach nicht rein. Das empfinden auch unsere Kunden so. Eines Tages beschwerte sich eine Dame über eine Raucherin neben ihr. Sie wolle frische Haare nach dem Friseurbesuch und nicht nach Rauch stinken. Wir haben das mit den Kunden durchdiskutiert. Eine andere drohte, nicht mehr zu kommen, wenn sie nicht rauchen dürfe. Da habe ich nur gesagt: “Nun ja, wenn das ausreicht…” Wenn man viele rauchende Kunden im Salon hat, mag das problematisch sein, aber das war bei uns ohnehin nie der Fall. Darum kann ich sagen, dass uns die Raucher nicht fehlen.
So läuft’s bei den Nachbarn:
Irland, Norwegen, Italien, Spanien und Tschechien haben sie bereits: Rauchverbote in öffentlichen Gebäuden wie Restaurants, Kneipen und am Arbeitsplatz, die bei Nichtbeachtung mit empfindlichen Bußgeldern belegt wurden. Deutschland dagegen schaltet auf stur. Statt eines gesetzlichen Rauchverbotes setzt die Regierung in Berlin auf freiwillige Selbstverpflichtungen wie die des Deutschen Hotel und Gaststättenverbands. Der stellt dem Bundesgesundheitsministerium für Ende 2008 in Aussicht, dass 90 Prozent der deutschen Restaurants die Hälfte der Sitzplätze für Nichtraucher reservieren. Sollte das scheitern, behält sich die Bundesregierung gesetzliche Schritte gegen die dicke Luft durch Raucher vor.
Quelle: Friseurportal.de