Haarfarben boomen weiter
Juni 12, 2007
Gefunden unter Haarfarbe, Wirtschaft
Das Friseurhandwerk hat am gesamtwirtschaftlichen Wachstum im Jahr 2006 nicht partizipieren können. Die Entwicklung am Friseurmarkt ist weiterhin von der Konsumzurückhaltung der Verbraucher geprägt. Die Umsätze der Friseurunternehmen in Deutschland gingen im Jahr 2006 durchschnittlich um 2,2 Prozent zurück. Diese Entwicklung hatte auch einen Rückgang der Beschäftigung zur Folge. Die Zahl der Beschäftigten nahm im Friseurhandwerk um 2,5 Prozent ab. Im Jahr 2006 waren rund 240.000 Menschen im Friseurhandwerk beschäftigt und erwirtschafteten einen Gesamtumsatz von hochgerechnet rund 5,1 Milliarden EUR. Rund 68.500 Salons boten deutschlandweit professionelle Friseurdienstleistungen an.
Das Potenzial für Wachstum ist vorhanden
Angesichts des robusten Wirtschaftswachstums und einer sich aufhellenden Konsumstimmung sieht der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks (ZV) jedoch Chancen, dass sich im Jahr 2007 die Entwicklung in der Friseurbranche stabilisiert. „Die Erhöhung der Mehrwertsteuer ist da sicher nicht gerade hilfreich, aber das Potenzial für mehr Wachstum ist durchaus vorhanden. Denn Schönheit und Wellness gewinnen gesellschaftlich immer mehr an Bedeutung”, erklärte ZV-Präsident Andreas Popp auf der Pressekonferenz anlässlich der ZV-Mitgliederversammlung 2007 in Koblenz. „Dies gilt insbesondere für die Zielgruppe der sogenannten Best Ager, aber auch die wachsende Gruppe der wirtschaftlich gut situierten älteren Generationen. Gefragt sind Dienstleistungen, die sich perfekt an den Bedürfnissen der Kunden orientieren.”
Hohe Kundenzufriedenheit: Verbraucher schätzen ihren Friseur
Wenngleich die Konsumentwicklung am Friseurmarkt insgesamt wenig erfreulich verlief, gab es auch Lichtblicke. Zum Beispiel: die herausragende Kundenzufriedenheit in der Branche. In der Bewertung ihrer Kunden schneiden Friseure besonders gut ab. Knapp 80 Prozent aller Kunden sind ihrem Salon treu. Und das verwundert kaum. Denn knapp 95 Prozent aller Kunden sind mit Dienstleistung und Service ihres Friseurs sehr zufrieden oder zufrieden. Detaillierte Informationen zum aktuellen Konsumverhalten liefert die GfK-Marktstudie im Auftrag des Industrieverbandes Friseurbedarf (IVF). Die jüngsten Zahlen (März 2006 – März 2007) zeigen einen leichten Rückgang der Besuchshäufigkeit in den Salons. Jeder Kunde ging in dem genannten Zeitraum durchschnittlich 5,85 Mal zum Friseur. Das ist ein Rückgang von rund 2 Prozent zum Vergleichzeitraum des Vorjahres. Tatsächlich ist das Konsumverhalten von Frauen und Männern am Friseurmarkt jedoch unterschiedlich. Männer gingen laut IVF-Studie rund 6,85 Mal zum Friseur, Frauen kamen dagegen nur auf 5,2 Friseurbesuche. Gleichzeitig konnte jedoch auch eine erhöhte Besucherreichweite festgestellt werden. Das heißt: Es gehen wieder mehr Menschen zum Friseur. Insgesamt waren es im Berichtszeitraum rund 60,7 Prozent aller Verbraucher.
Nachfrage nach professionellen Haarfarben steigt seit Jahren
Besonders positiv entwickelte sich in 2006 das Farbgeschäft. Vor allem Frauen lieben hochwertige Haarfarben. Die Nachfrage nach professionellen Farbanwendungen steigt seit Jahren kontinuierlich, und ein Ende des Booms ist nicht abzusehen. In 2006 erreichten sie einen durchschnittlichen Dienstleistungsanteil im Damensalon von 37,5 Prozent. Das ist ein sensationeller Zuwachs von 12,1 Prozent. Dagegen wurden Haarumformungen trotz des 100-jährigen Jubiläums der Dauerwelle weniger nachgefragt (minus 3 Prozent). Ihr Dienstleistungsanteil im Damensalon lag bei 11,4 Prozent. Die Haarpflege-Leistungen gingen um 1,7 Prozent zurück und kamen auf einen Dienstleistungsanteil im Damensalon von 14,8 Prozent.
Betriebsentwicklung: die Großen werden größer, die Kleinen mehr
Wie schon im Vorjahr war die Betriebsentwicklung im Friseurhandwerk in 2006 wieder von einem leichten Zuwachs geprägt. Bundesweit stieg die Zahl der selbstständigen Unternehmen um 1,2 Prozent auf 58.455, die der Filialen um 2,3 Prozent auf 9.999. Insgesamt erhöhte sich die Zahl der Betriebsstätten um 1,4 Prozent auf 68.454 Friseursalons. In den letzten Jahren prägten zwei Trends die Betriebsentwicklung im Friseurhandwerk. Zum einen die Filialisierung der Branche, zum anderen die Zunahme der Kleinstbetriebe. Nachdem die Filialentwicklung zeitweise stagnierte, hat sie in 2006 ein Zehn-Jahres-Hoch erreicht. Die Betriebsentwicklung ist zugleich stark vom Deregulierungseifer der Politik geprägt. Nicht zuletzt verursacht durch immer neue Ausnahmeregelungen von der Meisterpflicht und der steuerlichen Privilegierung nimmt die Zahl der Kleinstunternehmen im Friseurhandwerk zu. ZV-Präsident Andreas Popp: „Damit wird einem Trend Vorschub geleistet, der für die Branche mittelfristig zum Problem werden könnte. Denn: Die „Eine-Frau-” oder „Ein-Mann-Betriebe” sind Unternehmen, die weder beschäftigen noch ausbilden. Sie können daher kostengünstiger am Markt ihre Dienstleistungen anbieten. Die ausbildungsstarken mittleren Friseurbetriebe bleiben dabei schnell „auf der Strecke” und eine nachhaltige Fachkräfteentwicklung wird in Frage gestellt.”
Quelle: ZV des deutschen Friseurhandwerks