Gründungsdynamik weiter ungebrochen
Juni 9, 2008
Gefunden unter Friseur
Die Vielfalt der Unternehmenskultur ist charakteristisch für das Friseurhandwerk. Originelle und unverwechselbare Salonkonzepte sind zahlreich in der Branche. Beauty-Tempel, Event-Salon oder Cut & Go-Shop stehen beispielhaft für den Ideenreichtum der Friseurunternehmer. Dabei wächst die Zahl der Betriebe – nicht explosionsartig, aber stetig und auf einem hohen Niveau. Im Jahr 2007 war das Wachstum sogar vergleichsweise kräftig. Laut BGW-Statistik gab es 60.368 selbstständige Friseurunternehmen und 10.150 Filialen. Das sind Zuwächse von 3,3 und 1,5 Prozent. Insgesamt erhöhte sich die Zahl der Betriebsstätten um drei Prozent auf 70.518 Friseursalons. Das Friseurhandwerk ist unter den Gewerken der Anlage A der Handwerksordnung dasjenige mit den meisten Betriebsstätten und der stärksten Zunahme an neuen Betrieben. Zugleich bleibt die Fluktuation am Friseurmarkt unverändert hoch: In 2007 zählten die Handwerkskammern bundesweit 4.747 Abgänge und 6.440 Zugänge von Friseursalons.
Fairer Wettbewerb: Keine Privilegierung von Kleinstbetrieben!
Die Gründungsdynamik im Friseurhandwerk hält seit Jahren an. Immer mehr Betriebe drängen auf den Friseurmarkt, während die Zahl der Beschäftigten sinkt. Die Folge: eine starke Zunahme von Kleinstbetrieben. Diese sogenannten Mikrobetriebe beschäftigen weder Mitarbeiter noch bilden sie Fachkräfte aus und sind unterhalb eines Jahresumsatzes von 17.500 EUR von der Umsatzsteuer befreit. Der daraus resultierende Kostenvorteil erlaubt es ihnen, ihre Friseurdienstleistungen preisgünstiger am Markt anzubieten. Für die traditionell ausbildungsstarken, mittleren Friseurunternehmen wird dies leicht zu einer existentiellen Herausforderung mit ungleichen Wettbewerbschancen. Die Ursache dafür ist nicht zuletzt die rege Inanspruchnahme der erweiterten Ausnahmeregelungen von der Meisterpflicht, die im Zuge der Liberalisierung der Handwerksordnung eingeführt wurden. Der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks (ZV) kritisiert diese Entwicklung. „Damit wird einer Entwicklung Vorschub geleistet, die für die Branche mittelfristig zum Problem werden könnte”, erklärte ZV-Präsident Andreas Popp auf der ZV-Mitgliederversammlung in Rostock. „Gerade im Hinblick auf eine zukunftsorientierte Fachkräfteentwicklung ist dies nicht wünschenswert.” Die Förderung von unternehmerischen Kleinstexistenzen führt nach Auffassung des Zentralverbandes zu einem ruinösen Wettbewerb mit den Betrieben, die trotz schwieriger Branchenkonjunktur überdurchschnittlich ausbilden und beschäftigen. Der Zentralverband fordert deshalb nachdrücklich die Abschaffung der steuerlichen Privilegierung von Kleinstunternehmen, um existenzbedrohende Wettbewerbsverzerrungen zu verhindern, und damit den langfristigen Erhalt eines leistungs- und ausbildungsfähigen Friseurmittelstandes zu gewährleisten.
Quelle: ZV des deutschen Friseurhandwerks